gus01

Gus Toke wurde in Sanur an der Südostküste der Insel Bali geboren. Bereits in seiner Jugendzeit war Gus fasziniert darüber, was Kunst als Kommunikationsmittel machen kann und wie die verschiedenartigen Sprachen der Kunst ermöglichen, Dinge auszudrücken, die gesagt werden möchten, jedoch in üblicher Weise nicht artikuliert werden können. Gus' Faszination für Kunst und vor allem auch sein Talent führten ihn an die Akademie der Künste in Denpasar, wo er seine professionelle Ausbildung absolvierte. Seit mehreren Jahren lebt Gus in Mitteleuropa. Was als Begeisterung in seiner Kindheit begann, begleitet ihn bis heute durch sein Leben und seine künstlerische Tätigkeit. Das Erforschen der Möglichkeiten künstlerischen Ausdrucks, den Dingen um sich herum das Sprechen anderweitig zu ermöglichen, bleibt Gus' grösste Inspirationsquelle.

Heute ist Gus in Bali und darüber hinaus bekannt. Sehen wir Bali als einzigartige, prägende kulturelle Komponente für den Künstler, so bietet Gus biographischer Hintergrund einen initialen Einblick in sein Interesse an der Vielfalt per se und die Reichweite seiner Stilrichtungen, welche für sein Werk charakteristisch sind.

Die Balinesische Kultur an sich hat weder rein chinesische, noch indische oder hinduistische Wurzeln und doch sind heutzutage in Bali Spuren all dieser Kulturen vorhanden und beeinflussen und bereichern sich gegenseitig. Aus der Sicht dieses kulturellen Erbes ist man versucht zu folgern, dass Gus' Biographie ihm die grosse Sensibilität bietet, Verschiedenheiten zu begegnen, und dass derartige Sensibilität in seinem Werk wiederspiegelt ist. Der Überblick über sein künstlerisches Schaffen zeigt eine reiche Vielfalt an Begegnungen, deren Spuren mehr oder weniger offensichtlich werden, abhängig von der ästhetischen und ideellen Konversation, welche in einem bestimmten Werk oder einer Serie stattfindet. Insgesamt ereignet sich dieser Austausch zwischen unterschiedlichen Materialien, Stilrichtungen, Traditionen, Möglichkeiten des eigenen Ausdrucks und potenziellen Weltanschauungen. Solche Sichtweisen werden nur klar durch Mittel ihrer Artikulation, indem sie eine sichtbar gemachte Stellungnahme darstellen, welche mit dem Anspruch beginnen könnte: "Ich sehe die Welt als..." Und gerade hier stösst man auf Widersprüche. Jeglicher Ausdrucksform vorausgehend, wie jemand die Welt sieht, steht eine fundamentalere Frage, nämlich: was sind die Möglichkeiten der Ausdrucksform? Demnach verändert sich die Frage, was jemand ausdrücken will, zunächst zur Frage, womit das Ausdrückbare beginnt, beziehungsweise was zunächst ausdrückbar ist. Auch wenn dies nicht der erste Einblick des Künstlers und seines Schaffens ist, so ist es der zentrale.

Wie in seiner eigenen Biographie ist die offensichtliche Vielseitigkeit von Gus' Werk erzeugt durch die Frage nach den Möglichkeiten, sich auszudrücken.
Welche Ausdrucksformen bieten die Dinge aus meiner Umgebung? Meine Fertigkeiten, mein Wissen und meine Erfahrung, doch auch was mir unmittelbar zu Händen liegt - Material, Medium, aufkommende Ideen und Bilder - was würden diese gerade JETZT sagen, wenn sie frei wären von den Konventionen ästhetischer Anordnung?
Versteht man diese Art von Nachforschung und Reflexion als fundamentales Element des kreativen Prozesses, so kann dies auch eine klarere Sicht bieten auf den kontinuierlichen Prozess oder Lebenszyklus, in welchem die praktische ästhetische Rekombination einen endlosen Lernprozess bildet.

Durch Eröffnen und Erkunden was möglich ist durch das, was präsent ist, als sine qua non von Gus' Kunstschaffen auf jeder Ebene, wird das Finden neuer Wege ästhetischen Ausdrucks zu seiner prinzipiellen Methode.

Aus dem Englischen von Scott Loren